Der AVIATIK-Blog
Messerschmitt Me 409 mit DB 628
Eine wenig bekannte Version der 09-Reihe von Messerschmitt-Jagdflugzeugen ist die Me 409. Aus der Me 209 und
der Flugzeugträgerversion Bf 109 T sollte ab 1942 ein Höhenjäger entwickelt werden. Die Luftwaffe fürchtete den
Einsatz von amerikanischen Höhenbombern Boeing B-29 über Europa. Verwendet werden sollte für das neue
Jagdflugzeug der Motor Daimler Benz DB 605 (für die A-Version), der DB 628 (für die B-Version) und der Jumo 213
(C-Version). Mit einem starken Höhenlader ausgestattet, sollte der DB 628 etwa 1500 PS beim Start leisten. Die
Dauerleistung wird mit 1100 PS angegeben. Die Firma Messerschmitt kam aber mit dem Projekt nicht voran und gab
die Entwicklung schließlich als Me 155 nach Frankreich ab. Als es dort kaum voran ging kam das Projekt als Bv 155
zu Blohm und Voss.
Unten werden Fotos der Attrappe der Me 409 mit dem Motoreneinbau des DB 628 und ein Holzmodell des Db 628
gezeigt.
Post 047
Dornier Do 335 und die Lange Welle
Bei den Arbeiten zum Artikel über die Dornier Do 335 in der AVIATIK 06 wurde ich durch eine Zeichnung eines frühen
Entwurfs für das zweimotorige Tandemflugzeug an ein Ereignis erinnert, welches mir bei meiner Tätigkeit bei Stemme-
Flugzeugbau widerfahren ist.
Bei den Stemme Flugzeugen befindet sich der Motor in der Rumpfmitte. Der Propeller am Bug wird durch eine
lange Welle von dort aus angetrieben. Diese Bauweise hat sich bei der Konstruktion bewährt. Ich maß der langen
Welle keine besondere Bedeutung bei. Bis ich die verzweifelt klingende eMail und später Anrufe eines
Flugzeugherstellers aus einem europäischen Nachbarland erhielt.
Dort war man dabei, ebenfalls eine lange Welle für ein neu zu entwickelndes Flugzeug zu nutzen. Doch durch
Schwingungen brach die Welle ständig und hatte schon zwei Prototypen zerstört. Als letzten Versuch wendeten sich
die Konstruktere an die Konkurrenz und fragten nach Unterstützung. Dr. Reiner Stemme und einige Ingenieure der
Firma erklärten mir mir die Probleme, die bei solchen langen Übertragungswegen auftreten - und wie man sie lösen
kann. Dr. Stemme gab dann die Adresse der Fachleute weiter, die bei seinen Wellen die Berechnungen durchgeführt
hatten. Seitdem sehe ich die Dornier Do 335 und die Leistung der damaligen Ingenieure mit anderen Augen.
Nebenbei hatte ich auf einmal die Erklärung für den Aufbau der Welle, die in der Turbopumpe des
Raketentriebwerks des Aggregat A4 (V-2) die beiden Pumpen für Brennstoff und Flüssigsauerstoff verbindet.
Post 046
Wie startet man eine große Rakete?
Als die Briten durch Agentenberichte Warnungen erhielten, die Deutschen wären dabei ein große Rakete zu
entwickeln, mit der die britische Insel beschossen werden kann, sollte die kommende Gefahr eingeschätzt werden.
Die Fachleute machten sich daran, herauszuarbeiten, wie eine solche Rakete aussehen könnte. Als Ergebnis wurde
eine mächtige Rakete präsentiert, die durch einen festen Treibstoff (Cordit) angetrieben wurde. Da dieser zur
Erzielung einer hohen Endgeschwindigkeit für große Reichweiten lange brennen musste, benötigte man viel davon
und so geriet die Rakete sehr schwer. Deswegen musste beim Start eine zusätzliche Beschleunigung erfolgen.
Entsprechend den damaligen Vorstellungen, die häufig auch in Zukunftsgeschichten verbreitet wurden, erfolgte der
Start der Rakete durch Abschuss aus einem riesigen Mörser. Die dazu angefertigte erklärende Zeichnung ist unten in
der Mitte abgebildet.
Also wurden die Aufklärungsflieger angewiesen, nach solchen großen Rampen und Betonkonstruktionen Ausschau
zu halten. Natürlich wurde keine solche Startstellung entdeckt. Die damals bekannte Möglichkeit, dass die Rakete
durch flüssige Treibstoffe viel effektiver angetrieben werden kann, haben die Fachleute völlig ignoriert.
Post 045
Kaum Fotos von Me262-Piloten mit ihren Flugzeugen
Heute ist es so gut wie selbstverständlich, wenn man sich an einem interessanten Ort befindet oder mit Freunden trifft,
ein Foto von sich inmitten der Szene zu machen. Diese “Selfies” werden dann weltweit verbreitet.
Vor Jahren sprach ich mit einem ehemaligen Luftwaffenpiloten, der auch die Messerschmitt Me 262 geflogen war.
Als wir Fotos betrachteten, die ich zum Gespräch mitgebracht hatte, kam ich darauf, dass es solche “Selfies” von
Düsen-Piloten nicht gibt. Dabei wäre es doch für diese jungen Flieger sicher eine schöne Erinnerung gewesen. Alle
262-Piloten, mit denen ich sprechen konnte, erzählten, wie stolz sie waren, zu den ersten Düsenfliegern zu gehören.
Natürlich war das Fotografieren dieser “Geheimwaffe” verboten. Aber heute sind zahllose Fotos der Me 262 aus
privater Hand bekannt, die davon zeugen, dass man bei der Luftwaffe die Verbotsregelung nicht durchgängig
anwendete.
Bleibt für mich als Erklärung nur, dass die Einstellung dieser jungen Männer (noch dazu in der harten Kriegszeit)
sich von unseren Werten unterschieden haben mag.
Post 044
Diese Reihe wird fortgesetzt